Restaurierung

Besonderer Dank für ihre Leistungen für diese Restaurierung an: Enno Patalas und Paolo Cherchi Usai
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Rekonstruktion

Während der ersten Hälfte der 20er-Jahre wurden die meisten Filme -so auch Das Weib des Pharao- in sogenannten Virage-Farben im Kino gezeigt; Viragen sind szenenweise monochrome Einfärbungen mit denen die Stimmung der Szenen dramaturgisch verstärkt wurde. Da dies eine sehr aufwändiger Färbetechnik war, wurden stets nur wenige Kopien in dieser Weise angefertigt und die Zahl der Spielorte begrenzt. Schon nach ein paar Jahren waren diese Kopien dann stark verschrammt, teils gerissen, und wurden dann häufig als unbrauchbar weggeworfen. Darüberhinaus hielt man noch spielbare Stummfilm-Kopien für wertlos, nachdem der Tonfilm seinen Einzug in die Kinokultur gehalten hatte. So kommt es, daß viele Stummfilme gänzlich verloren sind oder nur noch in Fragmenten zu finden sind.

Lange wurde angenommen daß dieses Schicksal auch Lubitsch's Pharao ereilt hatte. Bis ca. 1970 war der Film für Publikum nicht mehr sichtbar, bis Enno Patalas in seiner Funktion als Leiter des Filmmuseums München ein Fragment des Films im russischen Gosfilmofond-Archiv entdeckte. Patalas konnte eine Kopie des stark beschädigten Fragments -einer 1923 datierten russisch betitelten Verleihkopie- bekommen und nach München bringen. Diese Kopie wurde als Fragment eines verlorenen Films im Münchner Filmmuseum gezeigt. Im Jahr 1995 wurde zu diesem Fragment auch die adaptierte Originalpartitur eingespielt und vom schweizer Sender RSI im Fernsehen gezeigt.

Im Jahr 2003 konnte das russische Original-Nitro-Positiv im Tausch gegen Material des Films Panzerkreuzer Potjemkin nach Berlin zum Bundesfilmarchiv geholt werden. Mit dem stark beschädigten Originalmaterial sowie eines Kopie der Schlußsequenz, gefunden im nationalen französischen Filmarchiv in Bois d'Arcy, wurde ein Restaurierungsprojekt gestartet und auch die Rechte des Films eingeholt..
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Das russische Nitromaterial von Das Weib des Pharao war merklich unvollständig und bedurfte vieler Erklärtitel, um die verlorene Handlung wenigstens lesbar darzustellen.Dieses ca. 60 Minuten lange Fragment hatte über weite Strecken Perforation verloren, viele Risse und starke Bildschäden. Die fotografische Qualität allerdings war überwiegend gut und die vorhandenen Virage-Farben sehr intensiv. Um den Film digitalisieren zu können, wurden experimentelle Umbauten am Cintel-Scanner der ALPHA-OMEGA vorgenommen und das 35mm-WetGate so modifiziert, daß stark beschädigtes Material hochwertig abgebildet werden konnte.
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Mit Hilfe des überlieferten Drehbuches, der Partitur von Eduard Künneke, sowie Set-Fotos aus Bundesarchiv, BFI und Deutsche Kinemathek konnte eine Schnittliste des Films erstellt werden, die das überlieferte Material in der richtigen Ordnung darstellt. Weiteres Material zum Film fand sich in Form von zeitgenössischen Presseartikeln, eines Programmheftes aus 1922, der Zensurkarten des Films und Zeichnungen von Kostümentwürfen.

Durch die gleichzeitige intensive Suche nach ergänzenden Szenen des Films stieß man auf eine Sammlung aus Italien, die Anfang 2004 als Roberto Pallme Collection ins amerikanische George-Eastman-House Archiv gelangt war. Dieses Material, vier Rollen 35mm Nitropositiv, war italienisch betitelt, und hatte eine völlig andere Schnittfolge als aus dem Drehbuch bekannt. Tatsächlich unterschieden sich das russische Fragment und die italienische Fassung so stark, daß sich darüber ca. 30 Minuten an fehlenden Szenen ergänzen ließen ! Gesamt bekam der Film nun eine Länge von annähernd 100 Minuten bei einer Bildfrequenz von 20 Bildern je Sekunde. Die Ergänzungen aus dem italienischen Fragment waren zur Wiederherstellung der Filmhandlung elementar. Die Begegnung zwischen Theonis und Ramphis am Nil fehlte beispielsweise in der russischen Überlieferung völlig. Auffällig beim Vergleich der Fassungen war, daß im russischen Material der verliebte, verletzliche Pharao Amenes fast gar nicht wiederzufinden war, obgleich das Kernthema des Films die Liebe des Pharao und seinen Verlust der Macht über die Liebe zur Sklavin Theonis war. Die Schlußsequenz des Films konnte aus einem Filmduplikat aus dem französischen Archiv in Bois d'Arcy komplettiert werden, in dem auch originale deutsche Titel-Inserts zu finden waren.
Wenige Minuten des Films, teils nur Szenenteile fehlen immernoch. Anstelle von fehlenden Szenen wurden Erklärtitel und Szenenfotos eingesetzt,

Restaurierung

Sämtliche Filmmaterialien wurden in sog. 2K-Auflösung (2048×1536 Pixel) unter Verwendung eines WegGate digitalisiert, überwiegend im langsamen Bild-für-Bild Modus. Mit eigener Software wurden dann alle Szenen teils automatisiert vorgereinigt und schließlich manuell retuschiert. Das Ergebnis ist sicher kein neuer Film, aber die gröbsten Mängel sind beseitigt.
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Die gesamte Restaurierungsarbeit wurde in Schwarzweiss durchgeführt, anhand von Farbmustern die je Einfärbung gescannt wurden, wurde dann am Ende der Bearbeitung die digitale Einfärbung (Virage) vollzogen. Diese Methode sollte zielführend sein, weil allein das russische Fragment aus drei verschiedenen Kopien gestückelt vorlag, dabei Farb- und Dichtesprünge, sowie Sprünge in der Bildposition den Lauf des Films stark störten. Die letztendliche Farbgebung wurde nach eingehender Studie und zeitlicher Zuordnung der einzelnen Materialien vom Restaurierungspartner Bundesarchiv festgelegt.

Vergleiche von Farbteilen im russischen Fragment: nitro_viragen.jpg

Die Viragefarben der Filmvorlagen wurden am Ende der Restaurierung mittles dafür entwickelter Software so exakt wie möglich digital simuliert - ein bis dahin nicht erprobtes Verfahren. Mittels eines extra dafür gebauten Projektortisches für Nitromaterial wurden die Originalfragmente projeziert und mit den digitalen Daten abgeglichen, um die größte Nähe zum 'echten' Original zu finden. Das Restaurierungsergebnis wurde letztlich auf 35mm Negativ rückbelichtet und davon neue Filmkopien im Stummfilmformat hergestellt. Diese Materialien liegen nun im Filmmuseum München, dem Bundesarchiv und dem George Eastman House. Erstmalig wurde im November 2005 eine solche Filmkopie auf dem Stummfilmfestival in Pordenone gezeigt.

Das kurze Filmteil das in Bois d'Arcy gefunden worden war, enthielt die originalen deutschen Zwischentitel. Damit die fehlenden deutschen Titel möglichst originalgetreu wiederhergestellt werden können, wurde ein digitaler Schrift-Typ gefunden der dem Original fast völlig gleicht. Diese Schrift wurde auch für die anderen Sprachfassungen in englisch, französisch und italienisch verwendet. Aufgrund der unterschiedlichen Schriftzeichen wurden die russische, thailändische, arabische, chinesische und japanische Fassung mit Schriften hergestellt die sich als gut lesbar erwiesen. Die Auswertung auf DVD und BluRay wird insgesamt zehn Sprachfassungen mit Vollbild-Zwischentiteln anwählbar anbieten.
Original Titeloriginal_title.jpg
rekonstruierter Titelnew_title.jpg
Nachdem in 2005 eine Musikaufnahme gemacht worden war, die sich leider als nicht hochwertig genug erwies, wurden zunächst die Vertriebsaktivitäten für den Film eingestellt. 2008 wurde das Projekt von Alpha-Omega digital übernommen und 2010 konnte durch die Koproduktion mit WDR und ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE eine neue Musikaufnahme der Original-Künneke-Partitur vereinbart werden, die im Juli 2011 im Studio des WDR unter der Leitung von Frank Strobel aufgenommen wurde. Diese Musikbearbeitung hat sich intensiv mit den Tempi des Films beschäftigt, was in der jetzt etablierten 20-Bilder/Sekunde Fassung zu hören ist.
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